Ralph Baudach

Leben

Die offizielle Version

Ralph Baudach, Jahrgang 1982, ist gebürtiger Münchner mit familiären Wurzeln in Vorpommern, Thüringen und Sachsen. Er wuchs in Koblenz am Rhein auf.

Sein Studium der „Angewandten Medienwissenschaft“ an der TU Ilmenau (Schwerpunkt: Filmproduktion) schloss er 2009 mit dem Diplom ab. Während eines Praxissemesters in Edinburgh produzierte er den Animationsfilm Epilogue (Animation, Compositing und Musik), der 2007 auf Festivals weltweit gezeigt wurde: von Seattle und Rio de Janeiro über Clermont-Ferrand, Stuttgart und Berlin bis nach Krakau und Teheran.

2007/2008 studierte Ralph ein halbes Jahr an der Ateneo de Manila University (Schwerpunkte: Chinesischer Film, Amerikanische Literatur & Film sowie Dokumentarfilm). Parallel produzierte er in Zusammenarbeit mit dem philippinischen Animationsstudio Artfarm Asia den live action-/cel animation-Kurzfilm MOX. Der Film wurde gefördert vom Goethe-Institut Philippinen sowie der Thüringischen Staatskanzlei und später auf Filmfestivals in Manila und Clermont-Ferrand gezeigt.

Während seines Studiums absolvierte Ralph Praktika u.a. bei der Odeon Film AG sowie der Welt der Wunder GmbH. Er schrieb freiberuflich für die Thüringer Allgemeine und arbeitete nach dem Studium als TV-Autor für die Süddeutsche TV GmbH. Von 2008 bis 2011 war Ralph als Poetry-Slammer auf Bühnen in Berlin, München und Hamburg aktiv. 2010/2011 absolvierte er schließlich das Programmvolontariat des NDR.

Seit 2011 arbeitet Ralph als freier Autor, Moderator, Reporter und Videojournalist beim NDR Fernsehen in Hamburg. In dieser Zeit hat er u.a. für die NDR-Sendungen Kulturjournal und 7 Tage, für ARTE metropolis und die ARD-Sendung ttt – titel thesen temperamente zahlreiche Beiträge und Features realisiert.

Darüber hinaus moderiert Ralph seit 2014 regelmäßig das Kulturressort sowie die jährlichen Sondersendungen zur Berlinale auf tagesschau24, dem Nachrichten- und Informationskanal der ARD.

Die inoffizielle Version

(die aber ebenso wahr ist)

Neben seiner Arbeit für das Fernsehen ist Ralph leidenschaftlicher Musiker. Sein Weg begann im Jahr 1993.

DIE ANFÄNGE
Entscheidungen für‘s Leben

Die Moskitos 1964. Ralphs Vater spielt das Saxophon. 1993. Alle waren jung und dachten, sie könnten die Welt verändern. Einer der Musiklehrer an Ralphs Schule konnte es tatsächlich. Zumindest veränderte er Ralphs Welt: Für die Schulbigband suchte er noch Saxophonisten. Und er wusste, dass Ralphs Vater ein altes, rostiges Tenorsaxophon besaß.
Mit diesem Instrument hatte Ralphs Vater in den 1960er Jahren in US-amerikanischen Soldatenclubs rund um Frankfurt am Main in der Coverband Die Moskitos gespielt. Damals hieß es noch: The Beatles, The Rolling Stones und The Beach Boys.
Rund 30 Jahre später ließ Ralphs Vater das Saxophon entrosten und neu lackieren - um es dann seinem zehnjährigen Sohn zu vermachen.

ACHTUNG, KLASSIK!
Ein Sax, ihn zu knechten

Ralph an Weihnachten 1993. Style und Grazie. Die Bürde wog zunächst schwer am dürren Hals. Ralph begann mit klassischem Saxophonunterricht, quälte sich durch Tonleiter- und Intervallübungen, spielte Konzerte, Sonaten und Suiten von Alexander Glazunov, Darius Milhaud, Guy Lacour und Paul Creston. Ralphs Lehrer ließ als Motivation immer öfter vier Zauberworte fallen: klassisches Saxophonstudium in Paris. Doch es sollte anders kommen.
Ralph nahm am Wettbewerb Jugend musiziert teil. Mit dem Saxophonkonzert Op. 109 von Alexander Glazunov. 15 Minuten feinste russische Fingerakrobatik. Der Raum, in dem das Vorspielen stattfand, maß zehn Quadratmeter. Dazu: Mittagshitze. Eine Handvoll fremder Menschen hatte sich als Zuhörer in den Raum gequetscht. Sie waren offenbar neugierig, welcher dahergelaufene 14-Jährige sich da an dem Standardwerk für klassisches Saxophon vergreifen wollte.
Zu diesen fremden Zuhörern gesellte sich natürlich Ralphs Familie. Und Ralphs Saxophonlehrer. Und die Jury. 15 Minuten lang perlte der Schweiß an Ralphs kurz beärmelten Oberarmen herab. Schließlich tropfte er vom Ellbogen auf den Linoleumfußboden.
Es wurde ein 2. Preis. Und das Korsett der Klassik für Ralph zu eng.

JAZZ LIFE
Der Ruf der Freiheit

Ralph begann, Jazz- und Improvisationsunterricht zu nehmen. Sein Jazz-Lehrer stellte ihm eine Kassette mit Aufnahmen von Michael Brecker, John Coltrane und Maceo Parker zusammen. Straphangin‘, Spring is here und Pass the peas.
Da war es um Ralph geschehen.
14-jährig, schüchtern und nur mit einfachen Pentatoniken für die Improvisation ausgestattet, nahm er am Jazz-Workshop Erlangen teil.
Dort lernte er Größen des deutschen Jazz‘ wie den Drummer Wolfgang Haffner kennen. Der tourte damals mit den Fantastischen Vier. Man raunte sich zu, dass er 10.000 Mark im Monat verdiente. Als Jazzmusiker. Wow! Und dieser coole Typ gab dem schüchternen 14-Jährigen die Hand: „Hi! Ich bin der Wolfgang!“
Ralph war angefixt. Vom Groove. Und von der Freiheit der Improvisation.

Ralph mit Band beim Abschlusskonzert des Jazz-Workshops Erlangen 1997.Zwei Jahre nach dem Glazunov-Trauma nahm Ralph am Wettbewerb Jugend jazzt teil. Das Vorspielen fand morgens um halb neun statt. Der Saal war groß und kühl.
Ralph hatte sich Confirmation von Charlie Parker ausgesucht. Der Pianist der Begleitband war sehr gut aufgelegt. Er spielte auf einem Flügel, der einst Helge Schneider gehört hatte. Ideale Vor­aus­setz­ungen also.
Ergebnis: Kein Schweiß.
Und ein 1. Preis.

NEW POP
Signed oder nicht signed, das ist hier die Frage

Abendkasse: 17,- DM. August 2000.Ralph schloss sich danach, mit 17 Jahren, der Koblenzer Funk-Pop-Hiphop-Band Sucks-A-Phone an. Sie nahmen an einem Newcomer-Wettbewerb teil und erreichten das Finale. Dort hatten sie die große Ehre, am selben Abend auf der Bühne zu stehen wie die lebenden Legenden Liquido mit ihrer Hit-Single Narcotic. Fairerweise traten Liquido nicht zum Wettbewerb an. Und so konnten sich Sucks-A-Phone den 1. Platz sichern.
Zur Belohnung durfte die Band auf dem SWR3 New Pop Festival auftreten. Zum ersten Mal schnupperte Ralph dort die betörende Luft des internationalen Musik-Jetsets. So teilten sich Sucks-A-Phone ihre Garderobe mit dem Sänger Laith Al-Deen.
Ein Auftritt auf dem Festival war eine große Chance, um sich Vertretern der Medien und der Plattenfirmen zu präsentieren. YouTube, Spotify & Co. gab es damals noch nicht, so dass eine junge Band wie Sucks-A-Phone ganz klassisch auf das Wohlwollen der Entscheider in Redaktionen und Labels angewiesen war.

Die deutsche Musikbranche suchte nach dem Eurodance der 90er das nächste große Ding. Deutschsprachiger Pop war zwar ganz langsam wieder im Kommen. Seine Hochphase sollte jedoch erst einige Jahre später so richtig beginnen.
Sucks-A-Phone waren mit ihrem deutsch­sprachigen Funk-Pop-Hiphop im Jahr 2000 früh dran. Sie konnten die Industrievertreter am Ende nicht so weit überzeugen, dass es zu einem Plattenvertrag kam.
Sucks-A-Phone ließen sich jedoch nicht entmutigen. Sie mussten nur erstmal bekannter werden. Und wohin ging man damals, wenn man bekannter werden wollte?
Richtig. Zum Fernsehen.

VERBOTENE LIEBE
Was Prince und Nirvana mit Oliver Pocher gemeinsam haben

Die ARD-Vorabendserie Verbotene Liebe veranstaltete anlässlich ihrer 1500. Folge einen Bandwettbewerb, der auch in der Serie Thema sein sollte. Echte Bands konnten sich online dafür bewerben. Sucks-A-Phone taten es, ließen sich durch ihre Fans auf einen der vorderen Plätze voten - und landeten so zur Aufzeichnung der 1500. Serienfolge in der Kölner Live Music Hall.
Ralph beeindruckten die unzähligen Fotos im Backstage-Bereich. Darauf waren Künstler und Bands zu sehen, die in der Live Music Hall bereits auf der Bühne gestanden hatten:
Prince. Beastie Boys. Nirvana. Pearl Jam. Oasis.
Der Auftritt von Sucks-A-Phone in Folge 1500 von Verbotene Liebe.Zu diesen Legenden gesellten sich nun Sucks-A-Phone. Und der Moderator Oliver Pocher. Er sagte die Bands des Wettbewerbs an. Seine enorme Bühnenpräsenz lenkte zum Glück von Ralphs grenzwertigem Outfit ab, das auf irritierende Weise zwischen verhindertem Boyband-Mitglied, desorientiertem Musketier und Möchtegern-Gangster mäanderte.
Dass die Fernsehleute auch gegenüber stilistisch fragwürdig gekleideten Menschen so tolerant waren, vermittelte Ralph ein positives Bild der TV-Branche.
Immer stärker spielte er mit dem Gedanken, nicht die Musik zum Beruf zu machen, sondern „irgendwas mit Medien“.

Mit Sucks-A-Phone ging es nach Verbotene Liebe noch ein paar Monate weiter. Die Band spielte einige Auftritte, einen ihrer größten im Sommer 2001 auf einem Festival mit Seeed vor 2000 Zuschauern. Ralph kam nach dem Konzert zum ersten und einzigen Mal in seinem Leben in die Verlegenheit, ein Autogramm zu geben. Ein ca. 14-jähriges Mädchen hatte ihn darum gebeten. Da Ralph um die Einmaligkeit dieses Moments wusste, nahm er all seine Kreativität zusammen und schrieb in das linierte DIN A5-Heft des Mädchens jene Formulierung, die sich so seit den Anfängen des Rock ‘n‘ Roll bewährt hatte:
„Für Julia! Von Ralph.“
Kurze Zeit danach lösten sich Sucks-A-Phone auf.

MATSCH & MARSCH
Wo die wilden Kerle wohnen

Ralph machte 2002 Abitur in Mathematik, Physik und Französisch. Noch war er sich nicht ganz sicher, ob er tatsächlich „irgendwas mit Medien“ oder doch eher Musik oder gar Mathematik studieren wollte. Praktischerweise gab es damals noch die Wehrpflicht. Sie verschaffte ihm ein Jahr der völligen Ablenkung in einer Umgebung, die in sehr vielen Details dem widersprach, was Ralph schätzte. Er ließ sich dennoch auf die Bundeswehr ein. Schließlich winkte nach der Grundausbildung eine abwechslungsreiche Zeit beim Heeresmusikkorps 300.
Fotoshooting beim Gelöbnis. Befehl: nicht lachen. Sommer 2002.Zunächst aber: drei Monate lang „Funker Baudach“ im Hinterland des Hunsrücks. Die beste Schau­spiel­schule, die man sich vorstellen kann: den ganzen Tag so tun, als sei man jemand Anderes.
Die Übungen: sich anschreien lassen und versuchen, nicht zu lachen. Kreismarschieren im Kasernenhof. Das Gewehr G36 im Dunkeln auseinander- und wieder zusammenbauen. Panzerfaustschießen auf verrostete Panzerattrappen. Biwak im Wald mit Langstreckenläufen um 5 Uhr morgens, gesäumt von Überanstrengungskotze am Wegesrand.
Später dann Einsatz beim sogenannten „Jahr­hundert­hoch­wasser“ an der Elbe.
Mit dem Heeresmusikkorps 300 in Tallinn. Sommer 2003.Danach, endlich: Saxophon beim Heeresmusikkorps 300. Marschmusik und Jazz. Unter anderem reiste Ralph mit dem Ensemble für ein Military Tattoo nach Estland. Dort erlebte er erstmals selbst, wie sehr die Esten die Deutschen lieben. Völlig unabhängig davon, wie synchron die deutschen Militärmusiker ihre Choreographien absolvierten: Sie wurden gefeiert wie Befreier.

SCHREIBEN, SCHREIBEN, SCHREIBEN
Was Bundis am Wochenende so treiben

Da Ralph während der Zeit bei der Bundeswehr nicht ganz ausgelastet war, beschloss er, einen Roman zu schreiben. Nach einem Jahr war er fertig. Der Ernst des Lebens, eine 300-seitige Coming of Age-Geschichte in der Verkleidung eines satirischen Abenteuerthrillers.
Die Handlung in Kurzform:
Ein 17-jähriger Außenseiter aus einem Dorf in der Eifel wird von einer Gruppe Panflötisten nach Peru verschleppt. Er entkommt seinen Entführern und flüchtet in einen erloschenen Vulkanschlot. An dessen Grund entdeckt er die letzte Stadt der Chachapoya, eines indianischen Volkes, das seit 500 Jahren als ausgestorben gilt. Die Chachapoya im Vulkan sind jedoch überraschenderweise alle quietschfidel. Sie sehen in der Ankunft des 17-Jährigen die Erfüllung einer uralten Prophezeiung: Mit der Hilfe des Jungen sollen sie aus dem Vulkanschlot herausgelangen und wieder zu alter Größe wachsen. Auf diese Chose hat der Held der Geschichte aber gar keine Lust. Er will nur zurück nach Hause in die Eifel. Nach einigen Abenteuern im Vulkan entkommt er den Chachapoya mithilfe eines prähistorisch anmutenden, sabbernden Riesenvogels.
Ralphs Notizen zu Der Ernst des Lebens. Gespeichert wurde noch auf Diskette.Zwischendrin trifft er auch noch seinen tot geglaubten Großvater, einen Bo­ta­niker, der einst auf einer Süd­amerika-For­schungs­reise mit seinem Flugzeug ab­ge­stürzt war.
In das Ende der Geschichte sind Ork­ähnliche Regen­wald­gnome involviert.
Für das Buch entwickelte Ralph eine eigene Sprache der Chachapoya, die auf Elementen von Latein, Spa­nisch, Rot­welsch und Kölsch beruht.

Nach Beendigung des Romans be­schloss Ralph, etwas An­stän­diges zu machen.
Er begann ein Studium der „Angewandten Medienwissenschaft“.

IRGENDWAS MIT MEDIEN - UND MUSIK
Zurück zu den Wurzeln

Es verschlug Ralph in das thüringische Städtchen Ilmenau. Für diese Wahl gab es mehrere gute Gründe: Ilmenau war bekannt dafür, dass Goethe mehrfach zur Erholung und Inspiration dort gewesen war. Angela Merkel hätte in Ilmenau beinahe ihren Doktor gemacht, wenn die Stasi nicht dazwischengekommen wäre. An der TU Ilmenau lehrte außerdem Karlheinz Brandenburg, einer der Väter des mp3-Formats.

Ralph spezialisierte sich in den folgenden Jahren auf Animations- und Dokumentarfilm, absolvierte Praktika bei Film und Fernsehen. Und obgleich sich das Fernsehen zu seinem erklärten Ziel entwickelte, konnte Ralph von der Musik nicht lassen.

Um sein Studium zu finanzieren, gab er Saxophonunterricht. Über mehrere Jahre hinweg war er Mitglied der Landesjugendbigband Thüringen unter Bob Lanese. Dieser hatte jahrzehntelang als Leadtrompeter bei James Last gespielt.
Immer mal wieder kehrte Ralph nach Koblenz zurück und stand dort im Studio für Projekte des Sängers Aydo Abay (ehemals Blackmail).
Über Gigs mit der Bigband der Musikhochschule Weimar lernte Ralph Mitglieder der Band von Clueso kennen. 2005 spielte Ralph dann mit seiner Funk-Band muckepack. auf einem Festival mit Clueso und Klee. Für muckepack. hatte er zuvor begonnen, eigene Songs zu schreiben und zu rappen. Ralph bewarb sich beim Bundesjazzorchester, das damals noch vom legendären Peter Herbolzheimer geleitet wurde - und erhielt eine Einladung zum Vorspielen in Bonn. Dort verlor er mitten im Solo über John Coltranes Grand Central, beim Tempo von 260 bpm, irgendwo zwischen Db(b5) und Ab-9/Db, den Überblick über die Songform.
Doch er hatte Glück. Auch die Mitglieder der Begleitband wussten vor lauter Spielfreude nicht mehr so recht, wo sie waren. Peter Herbolzheimer lächelte still in sich hinein, brach den Song ab und tadelte die Begleitmusiker. Ralph wurde auf wundersame Weise verschont und bestand.

In den Jahren danach spielte Ralph in verschiedenen Bigbands, brachte sich das Bass- und Gitarrespielen selbst bei, baute allmählich sein Projektstudio auf, fand zum Gesang und schrieb immer mehr eigene Songs. Inspirierend waren in dieser Zeit auch die vielen Gespräche mit herausragenden Musikern und Künstlern, die er aufgrund seines Berufes führen durfte.

Im Winter 2014/2015 nahm Ralph sich schließlich eine fünfmonatige Auszeit vom TV-Job. Zeit, um seine gesammelten Songideen zu sortieren, neues Material zu schreiben, zu arrangieren und zu produzieren.
Das Ergebnis ist sein Debütalbum Click Meat, welches er im Oktober 2015 veröffentlichte.

Ein zweites Album ist derzeit in Planung.